Freitag, 17. September 2010

Städtisches ÖPNV-Panorama (1)

Aus dem Nahverkehrsplan 2007 - 2011 der Landeshauptstadt Potsdam:
"Die Haltestelle ist die Visitenkarte des ÖPNV. 
Der Leitfaden für Qualitätsstandards des VBB legt in Kapitel 3.3 fest, welche Ausstattungsmerkmale Haltestellen verschiedener Verkehrsmittel aufweisen müssen. Da die Ausstattungsliste sehr konkret ist, kann diese unverändert für Potsdam übernommen werden. Haltestellen müssen funktionstüchtig sein und verfügen je nach Klassifizierung über Grund- und Zusatzausstattungen. 
Sie werden klassifiziert nach (...) Kategorie - C - Standardhaltestelle (Einstiegshaltestelle/Ausstiegshaltestelle) und sind entsprechend dieser Zuordnung mit Aufenthaltskomfort und Fahrgastinformation auszustatten. 
Dazu zählen gemäß Gleichstellungsgesetz: Witterungsschutz mit Sitzplätzen entsprechend des Fahrgastaufkommens, barrierefreier Zugang, angemessene Bordhöhe für Niederflurfahrzeuge, Fahrplan- und Tarifinformationen, ausreichende Haltestellenbreite unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten, Berücksichtigung sicherheitsrelevanter Aspekte auf den übrigen Verkehr (Warteflächen, Verkehrsinseln, gesicherte Querungsanlagen), dem Sicherheitsempfinden der Fahrgäste entsprechende Ausstattung (Beleuchtung, Transparenz) und Gewährleistung von Sauberkeit und Sicherheit auch unter winterlichen Bedingungen."

Ersatzhaltestelle "Rathaus" der Buslinie 603:
Kategorie C ?
Oder doch schon Kategorie D ?

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Wenn Haltestellen eine Visitenkarte des ÖPNV sind, dann hat Potsdam ganz klar keine Visitenkarten.

Wer mit offenen Augen durch die Stadt fährt, wird feststellen, dass einige Haltestellen nicht einmal ansatzweise den hier zitierten Standard erreichen. Ob es dabei fehlende Sitzgelegenheiten sind oder sonst was.

Beispiele? Bitte sehr: Hauptbahnhof

Das ist der Hauptumsteigepunkt in Potsdam, an dieser Stelle kommen die meisten Touristen an.

Der Vorplatz ist meistens verunreinigt, besonders an Wochenenden.
Die Haltestelle in Richtung Drewitz/Rehbrücke ist viel klein für die Massen an Fahrgästen, die da auftreten. Da die Bahnen teilweise in Kolonnen kommen und dann fast 10 Minuten gar nichts ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese dann überquillt. Extrem wird es, wenn zwei Bahnen gleichzeitig an der Haltestelle angekommen sind. Dann rennen die Fahrgäste zum zweiten Zug, die Fahrgäste vom zweiten Zug zum Bahnhof um oder umgekehrt. Ist dann noch ein Kinderwagen im Spiel, ist das Chaos perfekt. Dann geht gar nichts mehr. Hier muss man sich ernstlich die Frage stellen, wer hat das geplant?

Auch die Bushaltestellen sind alles andere als optimal. Auch sie sind viel zu schmal für die Menge an Fahrgästen, die sie aufnehmen sollen.

Die Zugänge zu den Bahnsteigen sind eine Gefahr für jeden Fahrgast. Alleine die großen Säulen versperren den Blick auf eine aus Richtung Friedhöfe ­kommenden Straßenbahn. Das Blinklicht wird von den meisten Fahrgästen missachtet. Was machen die Fahrer? Sie klingeln und fahren einfach los. Ein Wunder, das hier noch keiner druntergelegen hat.

Thema barrierefreie Zugänge

Barrierefreie Zugänge sind auch eine gute Sache. Haben Sie schon einmal einen Rollstuhlfahrer an den Haltestellen Brandenburger Straße, Nauener Tor, Rathaus (!) oder Dortustraße aussteigen sehen? Nein? Wie auch? Sie kommen an den Haltestellen gar nicht aus der Bahn! Einige Combinos wurden mit einer Rampenhalterung ausgerüstet, aber die Rampe selbst? Fehlanzeige. Ob diese Rampen für einen Rollstuhlfahrer geeignet sind, kann ich nicht sagen. Ich habe diese noch nie im Einsatz gesehen.
Was nutzen Haltestellen, die barrierefrei sind, wenn die Fahrzeuge es nicht sind? Schauen Sie sich den 692 an, da kommen öfter mal Reisebusse ohne jegliche Zugangsmöglichkeiten für Rollstuhlfahrer an. Da diese Linie, wie sollte es auch anders sein, im 20-Minuten-Takt fährt, ist das eine Zumutung für die Behinderten dieser Stadt. Wie heißt es doch im Grundgesetz Artikel 3, Absatz 3: Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Aha, wie nennt man dann den Einsatz von nicht behindertengerechten Bussen?

Sie sehen in Potsdam wird Standard anders definiert, als es der VBB tut.

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