GLIENICKER BRÜCKE, das ist der wohl traditionsreichste Anschlusspunkt in Potsdam! Seit fast 20 Jahren kann man sicher sein, dass es von der Potsdamer Straßenbahn einen schnellen Anschluss zum Berliner Bus gibt und umgekehrt. Im Schnitt erhält man binnen 4-5 Minuten Anschluss in beide Richtungen.
Als die BVG ihre Metrolinien im Winter 2004 einführte und der Werktags-Fahrplan der (neuen) Ausflugslinie 316 (ex-116) dem größtenteils zum Opfer fiel, wurde diese "Goldene Regel" ein erstes Mal erschüttert. Der 316er verkehrt werktags nur noch alle 40 Minuten, weshalb aus dem 5-Minuten-Anschluss nach Berlin ganz schnell auch mal ein 25-Minuten-Anschluss werden kann. Glücklich ist, wer sich vorher bei Fahrinfo eine Verbindung mit Anschluss herausgesucht hat.
Die Fahrpläne der ViP weisen auf den möglichen Anschlussverlust/-gewinn übrigens mit keiner Silbe hin!
Am Wochenende entspricht die Fahrplanrealität noch einigermaßen den "Traditionen" und der 316er verkehrt im 20-Minuten-Takt, weshalb der Anschluss in beide Richtungen funktioniert - fast!
Wehe dem, der abends, in der letzten Betriebsstunde der Linie 93 von diesem Anschluss Gebrauch machen möchte. Seit dem letzten Fahrplanwechsel der ViP gerät die "93" ab 20:05 Uhr seltsam aus dem Takt und die Abfahrtsminuten in Glienicker Brücke springen von 25 & 45 auf 16, 36, 56. Der 316er bleibt derweil bei seinem Fahrplan, Ankunft von Wannsee um 21 & 41, Abfahrt nach Wannsee um 25 & 45. Aus dem idealen, bahnsteiggleichen Anschluss wird eine Takt-Lücke von 15 Minuten.
Sicherlich betrifft das nur Verbindungen in "Tagesrandlage" und abseits der großen Fahrgastströme. Aber hier geht es auch um die Verlässlichkeit und leichte Merkbarkeit des ÖPNV-Angebots - gerade in der Peripherie. Das es ausgerechnet die Linie 93 trifft, ist dabei besonders bitter, schließlich lässt die Auslastung der Tramstrecke zur Glienicker Brücke zu wünschen übrig. Eine Potsdamer Verwaltung unter Sparzwang könnte schnell die Entscheidung fällen, bei der BVG den 316er ganztägig bis zur Holzmarktstr. oder dem Platz der Einheit zu bestellen. Das wäre das Ende für die Straßenbahn zur Glienicker Brücke, gerade in Anbetracht der anstehenden Sanierung dieses Streckenabschnitts.
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| Wenn es Nacht wird, steuert die 93 seltsame Ziele an. |
Die ViP muss deshalb ein Interesse daran haben, die 93 zu stärken. Das OSZ Gastgewerbe, die Schiffbauergasse, das neue Mauermuseum, der Neue Garten und der Glienicker Park sind attraktive Ziele. Es liegt an den Potsdamer Verkehrsbetrieben, diese Ziele nicht an den Individualverkehr oder gar an die BVG zu verlieren. Aber mit springenden Takten und löchrigen Anschlüssen ist sie gerade auf dem besten Weg dorthin.

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3 Kommentare:
Die Linie 93 erinnert mich immer an ein Stiefkind oder das fünfte Rad am Wagen. Ich habe die Befürchtung, dass mit Ablauf der Streckenzulassung dieser Streckenteil aufgegben werden soll. Die Gleisanlagen sind sanierungsbedürftig, was nicht gerade wenig kosten dürfte. Bei dem Kürzungswahn des Finanzkämmerers ist auch kein Wunder.
Was mich viel mehr interessieren würde: Wieviele Fahrgäste steigen denn an der Glienicker Brücke zum Bus um? Wie hoch sind denn die Fahrgastzahlen zur Glienicker Brücker insgesammt?
Das wird wohl keiner erfahren. Daraus wird die Vip bestimmt ein Staatsgeheimnis machen. Das ist doch auch egal. Fahrgäste kommen von alleine wenn die Verbindung gut ist.
Das ist doch auch egal. Fahrgäste kommen von alleine wenn die Verbindung gut ist.
Nein, so einfach ist es leider nicht.
Ich bin zwar kein Freund vom Nahverkehrsberater Doege, aber in einem Punkt gebe ich ihm völlig recht: Das System in sich muss stimmen. Dabei reicht es eben nicht aus, einfach eine Bahn hinzustellen und die Türen aufzumachen.
Die Fahrgastströme müssen ebenso berücksichtigt werden, wie die Gegebenheiten des Netzes. Umsteigepunkte müssen mit Verstand und Sorgfalt gewählt werden.
Hier hat es auch meiner Meinung nach am Takt2000 gehakt. Es ist zwar schön Anschlüsse zu haben, aber sie waren einfach zuviel. Es wurde an stellen Anschluß gewährt, wo er einfach nicht gebraucht wurde. Andere Anschlüsse wurden erzeugt, durch lange Wartezeiten an den Haltestellen. Das sind alles Aspekte die man berücksichtigen muss.
Sicherlich ist es wünschenswert, wenn zwei Linien die eine Fortführung ermöglichen auch einen Anschluss haben. Bei den Linien 93/316 ist er meiner Meinung nach zwingend erforderlich.
Das gesamte Straßenbahnnetz ist meiner Meinung nach überholungsbedürftig. Aber das ist ein anderes Thema, wo man sich ausdauernd unterhalten kann.
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