Die Gemüter über den geplanten Umbau und die Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs kochen seit Wochen und zurecht. In der Medienberichterstattung fällt dabei aber vor allem die Fokussierung auf die nicht enden wollenden Demonstrationen und deren grobe Mißachtung durch die Politik auf.
Ein negativer Hauptaspekt dieses Milliardengrabs ist dabei bisher zu kurz gekommen. Da der Bund auch in der andauernden Legislaturperiode und bis 2020 lediglich 11 Mrd. Euro für den Aus- und Umbau der Schieneninfrastruktur in der gesamten Bundesrepublik zur Verfügung stellt (die Unterfinanzierung des Schienenverkehrs hat in der deutschen Politik schon etwas Traditionelles) und "Stuttgart21" mindestens 6 Mrd. € davon schlucken wird, bleiben für das restliche Eisenbahnnetz der Bundesrepublik noch höchstens 5 Mrd. € übrig. Fünf Milliarden Euro durch 16 Bundesländer, die allesamt eigene lange Listen mit dringendem Investitionsbedarf vorweisen können.
Für die Region Berlin-Brandenburg lässt sich schon heute prognostizieren, dass der Umbau des Bahnhofs Ostkreuz und die Anbindung von BBI auf lange Sicht die letzten großen Bauvorhaben in der Schieneninfrastrucktur gewesen sein werden. Insbesondere angesichts der enormen Investitionen in den Bahn-Knoten Berlin seit der Wende.

Die Vervollständigung des "Pilz-Konzeptes" mit dem Wiederaufbau der Dresdner Bahn darf sich dabei durch "Stuttgart21" genauso als bedroht verstehen, wie der Ausbau der Schienenverbindungen nach Polen. S-Bahnen nach Falkensee oder Velten sind nahezu illusorisch (angesichts der Brandenburger Verkehrspolitik waren sie das aber sowieso). Planspiele zum Wiederaufbau der Stammbahn oder der S-Bahn in die Berliner Gartenstadt sind und bleiben erst recht was sie sind: Planspiele. Und zur Erinnerung: Den Streckenausbau Berlin-Cottbus hätte es ohne das Konjunkturpaket nicht gegeben, denn DB-Netz wollte die Ertüchtigung der "Lausitz-Magistrale" auf 160 km/h ursprünglich auf unbestimmte Zeit zurückstellen, trotz zugesicherter Planungsmittel durch das Land Brandenburg.

Auf dem Fahrgastsprechtag des Berliner Fahrgastverbands IGEB machte Peter Buchner, der Geschäftsführer der DB-Tochter S-Bahn-Berlin GmbH, dann auch eher unfreiwillig deutlich, dass "Stuttgart21" längst in unserer Region angekommen ist: "Der zweigleisige Ausbau der Strecken nach Strausberg-Nord und Potsdam Hbf. steht ganz oben auf unserer Liste. Doch DB-Netz setzt seine Prioritäten derzeit woanders."
Artikel im Kontext:
# FTD vom 4. Oktober: "Stuttgart21 ist das Geld nicht wert"
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:bahnprojekt-stuttgart-21-ist-das-geld-nicht-wert/50178214.html?page=2
# Der Freitag vom 3. Oktober: "Notbremsung für Stuttgart21"
http://www.freitag.de/politik/1039-notbremsung-fuer-stuttgart-21
# Spiegel-Online: "Ramsauer fehlt das Geld für Streckenausbau"
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,712902,00.html
(c) Grafiken "Max Maulwurf": DB AG 2010
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