Erfüllung. Nun sind wir Fahrgäste ja eher daran gewöhnt, dass unsere Wünsche
bzgl. des ÖPNVs sich gerne mal in real gewordene Albträume verkehren.
Damit wir Fahrgäste von Albträumen zukünftig verschont bleiben, ergreifen wir die Initiative und schenken den ÖPNV-Verantwortlichen für Potsdam zwei Wunschzettel. In der Hoffnung, diese Wunschzettel mögen ihnen eine segenreiche Hilfe sein, um den ÖPNV Potsdams besser zu machen und weiter entwickeln zu können. Adressaten dieser Wunschzettel: Die Potsdamer Verkehrsbetriebe (ViP), die Stadt Potsdam, die S-Bahn Berlin GmbH, die DB Regio Nord und das Land Brandenburg.
Zuerst und pünktlich zum Fest wenden wir uns an die Potsdamer Verkehrsbetriebe und die Stadt Potsdam.
Liebe ViP,
wir waren in diesem Jahr erneut geduldig und verständnisvoll mit euch. Wir
haben eure Probleme mit euren Bussen geduldig über uns ergehen lassen. Wir haben niemanden dafür angeschrien, dass ihr auch mit dem Lesen der Uhr so eure Probleme hattet und deshalb sehr oft sehr spät kamt.
Dass ihr uns Fahrgäste wie Schwerverbrecher behandeltet, deren Fahrausweise
man nur unter Polizeischutz kontrollieren konnte, haben wir ebenfalls demütig ertragen. Es machte uns auch nichts aus, dass ihr versucht habt, uns mit viel zu kleinen Straßenbahnen von A nach B zu bringen; so klein, dass einem schon Mal die Luft wegbleiben konnte.
Aber das alles hat Kraft gekostet. Unsere Verständnis-Speicher sind vollkommen leer und unsere Geduldsfäden nur noch mit dem Rasterelektronenmikroskop zu erahnen. Deshalb und damit wir euch auch 2011 wieder gute und treue, verständnisvolle und demütige Fahrgäste sein können, bitten wir euch, uns die folgenden Wünsche zu erfüllen:
1. Bitte beseitigt den Schlamassel, welchen ihr Straßenbahn-Fahrplan nennt.Viele Wünsche, die einiges an Geld kosten werden, sicherlich. Die aber
Fahrt endlich tagsüber mit dichten Takten auf den Linien 91, 92 & 94.
Beendet das Trauerspiel mit den Linien 98 & 99. Wenn ihr euch an Zeiten
zurück erinnert, in denen am lebenden Fahrgast noch keine Experimente vorgenommen wurden, fällt euch schon etwas ein, wie ihr uns diesen sehr (!) dringlichen Wunsch erfüllen könnt.
Auch stört es uns dann vielleicht etwas weniger, dass ihr mit viel zu
kleinen Straßenbahnen durch die Stadt rumpelt und offenbar auch zukünftig
rumpeln werdet.
2. Sorgt bitte schleunigst dafür, dass wir werktags auch nach 00:35 Uhr noch
vom Hauptbahnhof in die Innenstadt kommen! Zur Erinnerung: Um 00:44, 01:04 &
01:24 Uhr kommen noch Züge der S7 aus Berlin an. Um 00:50 kommt der
Regionalexpress aus Brandenburg, um 01:06 Uhr (und gerne auch ein paar
Minuten später) hält der letzte Regionalexpress aus Berlin in Potsdam Hbf.
Doch für all diese Züge gibt es in Potsdam Hbf keinen Anschluss Richtung
Innenstadt oder Potsdam-Nord. Das bisherige Angebot ist mit "fahrgastfeindlich" noch freundlich umschrieben.
3. Der allabendliche und 13-Minuten lange Nicht-Anschluss am Bahnhof
Rehbrücke, zwischen der RE7 aus Berlin und der Tram-Linie 91, ist ebenfalls
sehr verbesserungswürdig.
4. Gebt uns in Potsdam-West endlich wieder verlässliche und umsteigefreie
Busverbindungen in die Innenstadt. Verlässlich meint eine Linie 695, die von
5 bis 21 Uhr konstant und mindestens alle 20 Minuten auf der gesamten
Strecke fährt. Umsteigefreie Verbindungen hätten wir gerne auf der Linie 605
und das auch nach 21 Uhr.
5. Macht endlich die Ist-Abfahrtszeiten eurer Busse und Bahnen öffentlich.
Es braucht dabei kein teures Fahrinfo-SMS. Eine einfache, übersichtlich
programmierte mobile Internetauskunft reicht völlig. Fall ihr nicht wisst
wie das geht, fragt das Potsdamer Fenster. Wir helfen hier gerne weiter,
damit dieser Grundpfeiler der Fahrgastinformation endlich auch in Potsdam
zur Verfügung steht.
6. Schafft bitte zügig und noch im Jahr 2011 Barrierefreiheit an den
Haltestellen Brandenburger Str., Nauener Tor und Rathaus. Falls ihr nicht so
genau wisst wie, empfehlen wir euch einen Ausflug nach Berlin und in die
Pappelallee und die Stahlheimer Str. Dort hat die BVG für ihre Tram-Linie 12
sehr praktische sog. Kap-Haltestellen errichtet. Hier ein Bericht dazu, der auch gleich vor möglichen Planungsfehlern warnt.
7. Wir wissen, dass ihr die Tram-Trasse in der Heinrich-Mann-Allee sanieren
müsst. Aber tut dies bitte unter rollendem Rad und unter weitestgehendem
Verzicht auf Ersatzverkehre.
8. Beerdigt bitte die Buslinie 603, dieses ÖPNV-Trauerspiel ist eine
unerträgliche Verschwendung von Verkehrsleistungen. Oder, was besser wäre,
führt diese Linie entlang des Holländischen Viertels zum Städtischen
Klinikum. Eine interessante Verlängerungsmöglichkeit würde sich mit dem Stadtquartier rund um die ehm. Heilig-Geist-Kirche ergeben.
9. Hört auf, die BVG und ihre Buslinien 118, 316 und N16 wie Aliens zu
behandeln, die man als lästige Konkurrenten möglichst aus dem
Erscheinungsbild des Potsdamer Nahverkehrs tilgen muss! Kooperiert
stattdessen umfassend mit der BVG, im Sinne der Fahrgäste:
Verbessert bspw. die Haltestellensituation der N16 am Platz der Einheit und
an der Holzmarktstr. Stellt die traditionellen Anschlüsse zwischen Tram 93
und Bus 316 während der gesamten Betriebszeit der Linien sicher und
kommuniziert diese auch in euren Fahrplanaushängen. Dabei könnte die mäßig
ausgelastete Tram-Strecke zur Glienicker Brücke nur gewinnen („Das Schlösser-Duo“). Bemüht euch gemeinsam um eine attraktive Verknüpfung der 638/639 mit den Buslinien in
Spandau. Die ÖPNV-Kleinstaaterei muss enden und gute, partnerschaftliche
Nachbarschaft her!
10. Tauscht endlich in der gesamten Tram-Flotte die "historischen"
Fahrkartenautomaten gegen benutzerfreundliche Geräte aus. EC-Kartenleser und
Scheinannahme sollte dabei ebenso selbstverständlich sein, wie eine simple,
leicht zugängliche, mehrsprachige Benutzerführung, die vor Fehlkäufen
bewahrt.
11. Entfernt die Fahrkartenautomaten aus den Bussen und passt den
Fahrscheinkauf im Bus wieder dem ortsüblichen Standard von BVG und HVG an:
Fahrscheine gibts beim Busfahrer. Und das nicht ohne Grund!
12. Verbessert die Aufenthaltsqualität an euren Haltestellen:
- Sorgt für ausreichend Mülleimer und deren tägliche Leerung.
- Sorgt für helle Beleuchtung eurer Haltestellen. Ein leuchtendes Werbedisplay ist dabei keine (!) Haltestellenbeleuchtung.
- Achtet intensiv auf stets aktuelle und im Erscheinungsbild einheitliche
Fahrplanaushänge. Das minimalistische VBB-Fahrplandesign mag ja
grundsätzlich gut gemeint sein. Aber im Sinne einer besseren Lesbarkeit und
Übersichtlichkeit ist das Fahrplandesign der BVG hier das Vorbild, an
welchem ihr euch messen lassen müsst.
13. Pflegt eure dynamischen Abfahrtsanzeigen und trefft Vorkehrungen, damit
sie rund um die Uhr in Betrieb sein können. Stellt euren Mitarbeitern
hierfür auch einen Duden zur Verfügung.
für eine dringend gebotene Verbesserung der Qualität des Potsdamer
Nahverkehrs unabdingbar sind. Denn wirklich gut ist der Potsdamer ÖPNV
nun wirklich nicht.

Deshalb:
Liebe Stadt Potsdam,
wir Fahrgäste wünschen uns von dir:
1. Eine dauerhafte Erhöhung der Bestelleistungen um mindestensDas kostet viel Geld. Doch bekanntlich findet sich im Stadtsäckel immer wieder die ein oder andere Million. Und auch wenn sie sich nicht finden lässt, so gibt es in einer 160.000 Einwohner-Stadt keinen wirklichen Grund für Staus, wenn gleichzeitig ein ÖPNV-System existiert, das im Schienenverkehr sogar weitestgehend auf eigenem Gleiskörper und unabhängig vom Individualverkehr fahren kann. Dieses System ist jedoch immer nur so leistungsstark, wie die Verkehrspolitik der Stadt Potsdam. Und da liegt Potsdam noch sehr weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.
25% - gegenüber dem heutigen Stand.
2. Die unverzügliche Freigabe zur Einlösung der Option über weitere
Straßenbahnen der Stadler Variobahn. Dabei Abänderung dieser Option wie
folgt: Erhöhung der Fahrzeuganzahl von 8 auf 13 weitere Züge, wovon
mindestens 8 Züge als 7-Teilige Ausführung zu bestellen sind.
3. Die Einforderung der vom Land wegen der S-Bahn-Krise einbehaltenen
Bestellerentgelte, zwecks Investition in Neu-, Aus- und Umbaumaßnahmen zur
Verbesserung der Potsdamer Nahverkehrsinfrastruktur.
Bspw.: Für die Beschaffung weiterer Variobahnen, für den Neubau von barrierefreien Haltestellen entlang der Friedrich-Ebert-Str., für Sanierung und Ausbau der Haltestellenanlagen Platz der Einheit/West, S-Hauptbahnhof & Joh.-Kepler-Platz.
Ein Wunschzettel - Teil 2: S-Bahn, DB-Regio & Land Brandenburg - erschien an Silvester 2010.

1 Kommentar:
Einen Teil Eures Wunschzettels an die ViP wird sich in Realität wandeln. Details darf ich nicht verraten.
Der an die Stadt wohl erst, wenn wir die Dienstkarosse unseres OB verschrotten. :(
Ansonsten, schöne geschrieben!! :)
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