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Sonntag, 11. September 2011

Fahrgast contra Bundesstraße

Neue Wege zur Glienicker Brücke

Zeitweise sah es so aus als ob diese Potsdamer Straßenbahnstrecke die Zweite wäre, die seit der Wende eingestellt wird, nach dem Abschnitt Babelsberg - Hauptbahnhof. Der Streckenabschnitt zwischen der Kreuzung Nuthestr./Berliner Str. und Glienicker Brücke gehört nicht zu jenen Bereichen im Potsdamer Straßenbahnnetz, die überlastet sind. Das hat vielfältige Ursachen, schlechte Fahrpläne, ungünstige Haltestellenlagen und die Transformation der Berliner Vorstadt zu einem Pkw-lastigen Nobelstadtteil sind hier zu nennen. Nur noch das OSZ Gastgewerbe sorgt werktags für Auslastung auf der Linie 93. Touristisch ist die 93 ebenfalls nur von geringer Bedeutung, da sie sprichwörtlich auf der falschen Seite der Glienicker Brücke endet.

Gut gelöst: Autoverkehr und Fahrgäste kommen sich an der Schiffbauergasse kaum in die Quere. 

Vor ziemlich genau 20 Jahren, Mitte September 1991, wurden die Anlagen der Tram in der Berliner Straße zum letzten Mal umfangreich saniert. Dabei verlegte man die Einstiegshaltestelle von der Menzelstraße um einige Meter in Richtung Glienicker Brücke und fasste die Unterwegshalte entlang der Strecke in eigene Haltestelleninseln ein. Im Zuge des Ausbaus des Kulturquartiers Schiffbauergasse rückte man vor wenigen Jahren noch die entsprechende Haltestelle stadteinwärts näher an die Örtlichkeiten heran. Dabei wurde die Gleislage leicht verschwenkt und eine eigene Halstestelleninsel aufgebaut - mit entsprechend gutem Ausstattungsstandard (Haltestellenschild, dynamischer Abfahrtsanzeige, Wartehalle und Absicherung durch Ampeln). Doch die Auslastung der Tageslinie 93 konnte auch die Schiffbauergasse nicht heben.

Sonntag, 29. Mai 2011

Das Problem Golm

Gemeindegebietsreformen können sich manchmal als Fluch herausstellen. Als am 26. Oktober 2003 die Gemeinde Golm von der Landeshauptstadt Potsdam einverleibt worden war, hat sich vermutlich niemand in der Potsdamer Verwaltung ausmalen können, mit welchen Problemen man im Jahr 2011 einmal kämpfen würde. Und rückblickend wird so mancher im Stadthaus vielleicht klammheimlich denken, dass es besser gewesen wäre, das „gallische Dorf“ am nordwestlichen Stadtrand den Werderanern zu überlassen. Dann müsste man jetzt nicht die fehlgeleitete Verkehrspolitik der Länder Berlin und Brandenburg ausbaden. Von den hausgemachten Problemen ganz zu schweigen. Doch man wollte seitens der Stadt Potsdam wohl die Gemeinde Golm, man wollte die Wissenschaft, man wollte den „Standort“ und jetzt hat man den Ärger.



Dass Studenten eigentlich selten mit dem Auto anreisen, dürfte bekannt sein. Es gibt im studentischen Verkehr die alte und begrüßenswerte Tradition von Fahrrad & ÖPNV. In Zeiten gesteigerten ökologischen Bewusstseins sind Studenten Vorreiter mit diesem individuellen Verkehrsmix. Ein Beispiel, dem viele Nicht-Studenten folgen. Man könnte glauben, dass eine halbwegs vernunftbegabte Verwaltung versuchen wird, diesen Vorreitern mit einem attraktiven Nahverkehrsangebot entgegen zukommen. Nicht nur, aber auch um ein mögliches Umsteigen auf den Pkw von vornherein überflüssig zu machen. Niemand der in Potsdam lebt oder arbeitet könnte bestreiten, dass Berlins kleine Schwester ein Problem mit dem Individualverkehr hat. Und von attraktivem Nahverkehr ist das Gekurve rund um die Ortschaften Golm, Eiche und den Wissenschaftscampus weit entfernt. Das Wort von den unhaltbaren Zuständen macht die Runde. Die Regionalzüge zum Bahnhof Golm sind oft überfüllt, die Busse in der Ortschaft erst recht.

Montag, 4. April 2011

VIP-Chef Weis muss gehen

Wie am Montag zu erfahren war, werden die Potsdamer Verkehrsbetriebe (VIP) den Vertrag mit ihrem bisherigen Geschäftsführer Martin Weis über das Jahresende hinaus nicht verlängern. Presseangaben zufolge, stimmte der ViP-Aufsichtsrat mit knapper Mehrheit gegen die Vertragsverlängerung. Als einer der Gründe wurde in der Presse vor allem Weis' Führungsstil genannt, der zu einer erheblichen Verschlechterung des Betriebsklimas geführt hätte.

Weis galt als maßgeblicher Befürworter von Tram-Netzausbauprojekten. Zudem hatte er die Übernahme von Regionalbuslinien, die Neubeschaffung von Straßenbahnfahrzeugen und wichtige Korrekturen am suboptimalen Fahrplankonzept "TAKT 2000" voran getrieben.

Gleichzeitig war er erheblich umstritten, da er das Unternehmen auf einen radikalen Kostensenkungskurs trimmte, was sich merklich negativ auf die Angebotsqualität auswirkte. Und den Potsdamer Nahverkehr noch auf Jahre in seinem notwendigen Wachstum behindern wird.

Ob und wie Weis' Abgang einen Verlust für den Potsdamer Nahverkehr darstellt, wird sich erst mit seinem/-er Nachfolger_In erweisen. Man kann dabei nur hoffen, das die Geister der Vergangenheit, vor allem die selbsterklärten Nahverkehrsberater, diesmal in ihrer Gruft bleiben und Potsdams Fahrgäste verschonen werden.

Die Potsdamer Kommunalpolitik sollte diesen Personalwechsel als Chance betrachten, um die Verkehrspolitik und -strategien für die Landeshauptstadt vollkommen neu auszurichten und den Nahverkehr endlich zum wichtigsten Verkehrsträger der Stadt zu entwickeln. Hierfür braucht es allerdings mehr als nur neue Köpfe. Politischer Gestaltungswillen und eine erhebliche Verbesserung der finanziellen Ausstattung des ÖPNVs der Landeshauptstadt sind unabdingbar.

Freitag, 24. Dezember 2010

Ein Wunschzettel - Teil 1: ViP & Stadt Potsdam

Weihnachten und der Jahreswechsel, sind bekanntlich die Zeit der Wunschzettel. Und manchmal, so haben wir als Kinder alle einmal gelernt, gehen diese Wünsche auch in
Erfüllung. Nun sind wir Fahrgäste ja eher daran gewöhnt, dass unsere Wünsche
bzgl. des ÖPNVs sich gerne mal in real gewordene Albträume verkehren.


Damit wir Fahrgäste von Albträumen zukünftig verschont bleiben, ergreifen wir die Initiative und schenken den ÖPNV-Verantwortlichen für Potsdam zwei Wunschzettel. In der Hoffnung, diese Wunschzettel mögen ihnen eine segenreiche Hilfe sein, um den ÖPNV Potsdams besser zu machen und weiter entwickeln zu können. Adressaten dieser Wunschzettel: Die Potsdamer Verkehrsbetriebe (ViP), die Stadt Potsdam, die S-Bahn Berlin GmbH, die DB Regio Nord und das Land Brandenburg.

Zuerst und pünktlich zum Fest wenden wir uns an die Potsdamer Verkehrsbetriebe und die Stadt Potsdam.

Liebe ViP,

wir waren in diesem Jahr erneut geduldig und verständnisvoll mit euch. Wir
haben eure Probleme mit euren Bussen geduldig über uns ergehen lassen. Wir haben niemanden dafür angeschrien, dass ihr auch mit dem Lesen der Uhr so eure Probleme hattet und deshalb sehr oft sehr spät kamt.

Dass ihr uns Fahrgäste wie Schwerverbrecher behandeltet, deren Fahrausweise
man nur unter Polizeischutz kontrollieren konnte, haben wir ebenfalls demütig ertragen. Es machte uns auch nichts aus, dass ihr versucht habt, uns mit viel zu kleinen Straßenbahnen von A nach B zu bringen; so klein, dass einem schon Mal die Luft wegbleiben konnte.

Aber das alles hat Kraft gekostet. Unsere Verständnis-Speicher sind vollkommen leer und unsere Geduldsfäden nur noch mit dem Rasterelektronenmikroskop zu erahnen. Deshalb und damit wir euch auch 2011 wieder gute und treue, verständnisvolle und demütige Fahrgäste sein können, bitten wir euch, uns die folgenden Wünsche zu erfüllen:
1. Bitte beseitigt den Schlamassel, welchen ihr Straßenbahn-Fahrplan nennt.
Fahrt endlich tagsüber mit dichten Takten auf den Linien 91, 92 & 94.
Beendet das Trauerspiel mit den Linien 98 & 99. Wenn ihr euch an Zeiten
zurück erinnert, in denen am lebenden Fahrgast noch keine Experimente vorgenommen wurden, fällt euch schon etwas ein, wie ihr uns diesen sehr (!) dringlichen Wunsch erfüllen könnt.

Auch stört es uns dann vielleicht etwas weniger, dass ihr mit viel zu
kleinen Straßenbahnen durch die Stadt rumpelt und offenbar auch zukünftig
rumpeln werdet.

2. Sorgt bitte schleunigst dafür, dass wir werktags auch nach 00:35 Uhr noch
vom Hauptbahnhof in die Innenstadt kommen! Zur Erinnerung: Um 00:44, 01:04 &
01:24 Uhr kommen noch Züge der S7 aus Berlin an. Um 00:50 kommt der
Regionalexpress aus Brandenburg, um 01:06 Uhr (und gerne auch ein paar
Minuten später) hält der letzte Regionalexpress aus Berlin in Potsdam Hbf.
Doch für all diese Züge gibt es in Potsdam Hbf keinen Anschluss Richtung
Innenstadt oder Potsdam-Nord. Das bisherige Angebot ist mit "fahrgastfeindlich" noch freundlich umschrieben.

3. Der allabendliche und 13-Minuten lange Nicht-Anschluss am Bahnhof
Rehbrücke, zwischen der RE7 aus Berlin und der Tram-Linie 91, ist ebenfalls
sehr verbesserungswürdig.

4. Gebt uns in Potsdam-West endlich wieder verlässliche und umsteigefreie
Busverbindungen in die Innenstadt. Verlässlich meint eine Linie 695, die von
5 bis 21 Uhr konstant und mindestens alle 20 Minuten auf der gesamten
Strecke fährt. Umsteigefreie Verbindungen hätten wir gerne auf der Linie 605
und das auch nach 21 Uhr.

5. Macht endlich die Ist-Abfahrtszeiten eurer Busse und Bahnen öffentlich.
Es braucht dabei kein teures Fahrinfo-SMS. Eine einfache, übersichtlich
programmierte mobile Internetauskunft reicht völlig. Fall ihr nicht wisst
wie das geht, fragt das Potsdamer Fenster. Wir helfen hier gerne weiter,
damit dieser Grundpfeiler der Fahrgastinformation endlich auch in Potsdam
zur Verfügung steht.

6. Schafft bitte zügig und noch im Jahr 2011 Barrierefreiheit an den
Haltestellen Brandenburger Str., Nauener Tor und Rathaus. Falls ihr nicht so
genau wisst wie, empfehlen wir euch einen Ausflug nach Berlin und in die
Pappelallee und die Stahlheimer Str. Dort hat die BVG für ihre Tram-Linie 12
sehr praktische sog. Kap-Haltestellen errichtet. Hier ein Bericht dazu, der auch gleich vor möglichen Planungsfehlern warnt.

7. Wir wissen, dass ihr die Tram-Trasse in der Heinrich-Mann-Allee sanieren
müsst. Aber tut dies bitte unter rollendem Rad und unter weitestgehendem
Verzicht auf Ersatzverkehre.

8. Beerdigt bitte die Buslinie 603, dieses ÖPNV-Trauerspiel ist eine
unerträgliche Verschwendung von Verkehrsleistungen. Oder, was besser wäre,
führt diese Linie entlang des Holländischen Viertels zum Städtischen
Klinikum. Eine interessante Verlängerungsmöglichkeit würde sich mit dem Stadtquartier rund um die ehm. Heilig-Geist-Kirche ergeben.

9. Hört auf, die BVG und ihre Buslinien 118, 316 und N16 wie Aliens zu
behandeln, die man als lästige Konkurrenten möglichst aus dem
Erscheinungsbild des Potsdamer Nahverkehrs tilgen muss! Kooperiert
stattdessen umfassend mit der BVG, im Sinne der Fahrgäste:

Verbessert bspw. die Haltestellensituation der N16 am Platz der Einheit und
an der Holzmarktstr. Stellt die traditionellen Anschlüsse zwischen Tram 93
und Bus 316 während der gesamten Betriebszeit der Linien sicher und
kommuniziert diese auch in euren Fahrplanaushängen. Dabei könnte die mäßig
ausgelastete Tram-Strecke zur Glienicker Brücke nur gewinnen („Das Schlösser-Duo“). Bemüht euch gemeinsam um eine attraktive Verknüpfung der 638/639 mit den Buslinien in
Spandau. Die ÖPNV-Kleinstaaterei muss enden und gute, partnerschaftliche
Nachbarschaft her!

10. Tauscht endlich in der gesamten Tram-Flotte die "historischen"
Fahrkartenautomaten gegen benutzerfreundliche Geräte aus. EC-Kartenleser und
Scheinannahme sollte dabei ebenso selbstverständlich sein, wie eine simple,
leicht zugängliche, mehrsprachige Benutzerführung, die vor Fehlkäufen
bewahrt.

11. Entfernt die Fahrkartenautomaten aus den Bussen und passt den
Fahrscheinkauf im Bus wieder dem ortsüblichen Standard von BVG und HVG an:
Fahrscheine gibts beim Busfahrer. Und das nicht ohne Grund!

12. Verbessert die Aufenthaltsqualität an euren Haltestellen:

- Sorgt für ausreichend Mülleimer und deren tägliche Leerung.

- Sorgt für helle Beleuchtung eurer Haltestellen. Ein leuchtendes Werbedisplay ist dabei keine (!) Haltestellenbeleuchtung.

- Achtet intensiv auf stets aktuelle und im Erscheinungsbild einheitliche
Fahrplanaushänge. Das minimalistische VBB-Fahrplandesign mag ja
grundsätzlich gut gemeint sein. Aber im Sinne einer besseren Lesbarkeit und
Übersichtlichkeit ist das Fahrplandesign der BVG hier das Vorbild, an
welchem ihr euch messen lassen müsst.

13. Pflegt eure dynamischen Abfahrtsanzeigen und trefft Vorkehrungen, damit
sie rund um die Uhr in Betrieb sein können. Stellt euren Mitarbeitern
hierfür auch einen Duden zur Verfügung.
Viele Wünsche, die einiges an Geld kosten werden, sicherlich. Die aber
für eine dringend gebotene Verbesserung der Qualität des Potsdamer
Nahverkehrs unabdingbar sind. Denn wirklich gut ist der Potsdamer ÖPNV
nun wirklich nicht.













Deshalb:

Liebe Stadt Potsdam,

wir Fahrgäste wünschen uns von dir:
1. Eine dauerhafte Erhöhung der Bestelleistungen um mindestens
25% - gegenüber dem heutigen Stand.

2. Die unverzügliche Freigabe zur Einlösung der Option über weitere
Straßenbahnen der Stadler Variobahn. Dabei Abänderung dieser Option wie
folgt: Erhöhung der Fahrzeuganzahl von 8 auf 13 weitere Züge, wovon
mindestens 8 Züge als 7-Teilige Ausführung zu bestellen sind.

3. Die Einforderung der vom Land wegen der S-Bahn-Krise einbehaltenen
Bestellerentgelte, zwecks Investition in Neu-, Aus- und Umbaumaßnahmen zur
Verbesserung der Potsdamer Nahverkehrsinfrastruktur.

Bspw.: Für die Beschaffung weiterer Variobahnen, für den Neubau von barrierefreien Haltestellen entlang der Friedrich-Ebert-Str., für Sanierung und Ausbau der Haltestellenanlagen Platz der Einheit/West, S-Hauptbahnhof & Joh.-Kepler-Platz.
Das kostet viel Geld. Doch bekanntlich findet sich im Stadtsäckel immer wieder die ein oder andere Million. Und auch wenn sie sich nicht finden lässt, so gibt es in einer 160.000 Einwohner-Stadt keinen wirklichen Grund für Staus, wenn gleichzeitig ein ÖPNV-System existiert, das im Schienenverkehr sogar weitestgehend auf eigenem Gleiskörper und unabhängig vom Individualverkehr fahren kann. Dieses System ist jedoch immer nur so leistungsstark, wie die Verkehrspolitik der Stadt Potsdam. Und da liegt Potsdam noch sehr weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.


Ein Wunschzettel - Teil 2: S-Bahn, DB-Regio & Land Brandenburg - erschien an Silvester 2010.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Potsdam wird gesprengt

Am Donnerstag, 14. Oktober ist es wieder soweit: Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg muss gesprengt werden. Rund um und auf dem Hauptbahnhof geht dann nichts mehr. Nur, wie geht es weiter? Ein Blick aufs Informationsangebot zur Totalsperrung.


[Update, Mi. 22:30 Uhr] Die ViP hat ihren Infos pdf's mit Umgebungsplänen und Fahrempfehlungen für unterschiedliche Richtungen hinzugefügt. Zwar fehlen immer noch Hinweise auf die anderen Verkehrsunternehmen, aber unterm Strich kann sich das Informationsangebot durchaus sehen lassen. Respekt! Die S-Bahn weiß nun, welcher Zug wann wo hin fährt. Und sie warnt vor weiteren Änderungen in den Fahrplänen von DB, ViP und Havelbus - die entsprechenden Internetseiten dazu verlinkt sie auch gleich noch. Das ist annähernd vorbildlich!

Im Gegensatz dazu hat es die Deutsche Bahn bisher nicht geschafft, die Details zu ihrem Schienenersatzverkehr zu veröffentlichen, angekündigt waren die Informationen dazu aber schon für Mittwoch, 12 Uhr. Infos zum Angebot ihrer Unternehmenstocher S-Bahn Berlin GmbH kennt die DB natürlich auch nicht.

Dem VBB ist neben einem lapidaren Informationstext und Links zu den Verkehrsunternehmen nichts weiter eingefallen. Schwach! Völliges Schweigen herrscht unterdessen im Informationsangebot der BVG. Für die Startseite der BVG-Homepage ist momentan alles "wie Weihnachten, nur früher". Naja.

[Update, Mi. 13:45 Uhr] Die S-Bahn weiß nun, was sie tun wird. Die S7 endet und beginnt in Babelsberg. Aber, und hier wird es problematisch, sie fährt nur alle 20 Minuten! Es ist davon auszugehen, das die S-Bahn keine Vollzüge auf die S7 schicken wird. Dementsprechend dürfte es eng werden in der S7, spätestens in Griebnitzsee, wo die Ersazubusse der DB-Regio enden und beginnen. Kein 10 Minuten-Takt bis Babelsberg - das ist eine schlechte Lösung!
 
[Update, Mi. 13 Uhr] Es geht doch! Mittlerweile sind alle Beteiligten aufgewacht: Die Deutsche Bahn informiert detailliert. Alle R-Linien mit Umleitungen oder neuen Endbahnhöfen in P-Griebnitzsee, P-Park Sanssouci, Werder/Havel und einem Ersatzverkehr zwischen den Stationen. Die S-Bahn hat immer noch keinen Plan, weiß aber wenigstens schonmal das etwas passieren wird. 

Der VBB beschränkt sich auf die Verlinkung der einzelnen Internetseiten der Verkehrsunternehmen. Ein ziemlich dürftiges Bild.

Die ViP hat ihre Informationen unverändert online - ohne auch nur einen einzigen Hinweis darauf, was die anderen Verkehrsunternehmen tun werden. Die Havelbus hält es mit ihren Informationen kurz und schmerzlos, Fahrplandetails gibt es keine.

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Bekannt ist die Sperrung seit Dienstag-Vormittag. Informationen zur Sperrung liefert die ViP seit dem frühen Dienstag-Abend als Laufschrift in ihren Haltestellenanzeigen. Auf der ViP-Homepage finden sich ebenfalls schon Informationen über die Betriebsführung vor &  während der Sperrung, inkl. Grafik. Insofern ist die ViP durchaus vorbildlich.

Mit einer Ausnahme: Ein großes Fragezeichen steht bisher (Mittwoch, 02:30 Uhr) über dem Verkehr von und nach Berlin. Mit über 20.000 Umsteigern täglich, ist Potsdam Hauptbahnhof der größte Umsteigepunkt des Regionalverkehrs der Region - nach Berlin Hauptbahnhof. Wo und wie die Regionalzüge fahren oder nicht, weiß offenbar niemand. Die ViP schweigt sich dazu aus, wie zu allem was nicht von ihrem Betriebshof aus bedient wird. Soviel zum Thema Vernetzung. Auf der Homepage der Deutschen Bahn findet allerdings sich ebenfalls kein Hinweis (Stand: Mittwoch, 02:30 Uhr). Und leider glänzt auch der sonst so gut informierte VBB mit einem Totalausfall an Information auf seiner Homepage (Stand: Mittwoch, 02:30 Uhr).

Gleiches gilt für die S-Bahn (Stand: Mittwoch, 02:30 Uhr). Auch die S-Bahn Berlin GmbH fährt bisher nach dem zur Regel gewordenen Notfahrplan. Das es am Donnerstag zur Totalsperrung des Potsdamer Hauptbahnhofs kommt, erfährt man als Fahrgast zur Zeit nicht. Das die S7 offensichtlich in Griebnitzsee enden wird, kann man, mit etwas Glück, in der Zeitung lesen. Ob und wie es Ersatzverkehr gibt, konnten oder wollten die Journalisten aber scheinbar nicht recherchieren.

Etwas klüger ist die Stadt Potsdam selbst. Auf ihrer Homepage lässt sich nachlesen, dass die S-Bahn bereits ab 8 Uhr morgens in Griebnitzsee enden wird. "Von dort gelangt man mit dem Bus nach Potsdam." - so glaubt es jedenfalls die Stadtverwaltung, die scheinbar mit dem Auto aus dem nördlichen Potsdamer Umland anreist. Ansonsten würde sie nie auf die Idee kommen, derart naive Äußerungen zu machen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Karte des Sperrkreises, welche die Stadtverwaltung online verfügbar gemacht hat. Darauf sieht man den Hauptbahnhof im Zentrum der Sperrung. Der Bahnhof Babelsberg liegt außerhalb des Sperrkreises und sogar außerhalb des Kartenausschnitts. Warum die S-Bahn trotzdem schon in Griebnitzsee enden muss, weiß natürlich auch die Karte nicht. Der Fahrgast eben sowenig.



Wie gehts weiter?


Man kann nur hoffen, dass die Verkehrsunternehmen im Lauf des Mittwoch-Vormittag schnellstens ihre Datenbanken aktualisieren. Umfassend und vor allem einstimmig sollten die Informationen sein. Alles andere ist völlig inakzeptabel. Niemandem ist in besonderen Situationen wie dieser, mit einem Alleingang eines Verkehrsunternehmens geholfen. Leider mussten Fahrgäste genau das schon zu häufig miterleben. Hier ist der Verkehrsverbund gefragt, seine koordinierende Position auch durchzusetzen. Ebenfalls könnte es der Stadtverwaltung Potsdam nicht schaden, auf ihrer Homepage detailliert und schnell ersichtlich über die Änderungen im Nahverkehr zu informieren. Es leben und Arbeiten nicht nur Autofahrer in Potsdam. Auch wenn sich die Stadtverwaltung stets sehr viel Mühe gibt, dies zu ignorieren.

Ein etwas waghalsiger Tipp für Fahrgäste von und nach Berlin: Probieren sie den Bus 316 zwischen S-Bahnhof Wannsee und Potsdam, Glienicker Brücke. Sofern sie zur richtigen Taktminute an einem der beiden Startpunkte der Linie ankommen, sind ihre Chanzen groß, halbwegs bequem in die Innenstadt von Potsdam/Berlin zu geklangen. Wenn sie Pech haben, stehen sie aber genau in dem Moment an der Haltestelle, wenn der 316er nicht verkehrt. Werktags bietet die BVG hier nämlich nur einen 40-Minuten-Takt an. Und erfahrungsgemäß ändert die BVG ihren Fahrplan nicht für Fliegerbombe in Potsdam.

Eine andere Alternative bietet evtl. die Fahrt über die Regionalbahnhöfe Medienstadt Babelsberg und Rehbrücke, denn die Regionalzug-Linien MR33 und RE7 dürften wohl planmäßig fahren. Die ViP wird beide Bahnhöfe scheinbar so Fahrplantreu wie möglich bedienen. Wer den großen Umweg nicht scheut, dürfte sicherlich auch mit den Buslinien 638 & 639 und dem Umsteigen am S-Bahnhof Berlin-Spandau sein Ziel erreichen.

Bei der letzten Totalsperrung des Potsdamer Hauptbahnhofs, gelang es der Deutschen Bahn irgendwann, einen Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Potsdam, Platz der Einheit und S-Bahnhof Berlin-Wannsee einzurichten. Vielleicht erinnert man sich in der Geschäftsführung der DB-Regio noch an diese Maßnahme. Zu wünschen wäre es! An die Bombe werden die MitarbeiterInnen der DB-Regio Verwaltung aber in jedem Fall erinnert, ihr Arbeitsplatz liegt nämlich im Sperrkreis.