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Dienstag, 9. August 2011

Feierabend-Fahrplan vs. Fahrgäste - 1:0

Vorsicht Fahrplan! (2)

Sobald man nach 21 Uhr den großstädtischen Raum verlässt, ist man als Fahrgast in ÖPNV-Deutschland sehr schnell auf seine Füße angewiesen. Es sei denn, man verfügt über einen PKW. Der Nahverkehr in Potsdam bildet da, trotz seiner direkten Nachbarschaft zu Berlin, keine Ausnahme.

Potsdams ÖPNV, werktags um 01:10 Uhr: Ein großes Nichts.

Zwar fand vor einigen Jahren eine kleine Kulturrevolution statt, als der Betriebsstart des sog. „Nachtverkehrs“ von 21 Uhr auf 01.30 Uhr verschoben wurde. Doch ist man dabei auf halbem Weg wortwörtlich stehen geblieben bzw. hat einige der damals realisierten Verbesserungen bereits wieder gestrichen. Zwei Straßenbahnlinien des Tagesverkehrs sollen bis etwa 00:30 Uhr das Stadtgebiet mit ÖPNV versorgen. Zusätzlich irrlichtern diverse Tagesbuslinien abschnittweise und teilweise nur im Stundentakt durch die Stadt, ohne dass dahinter eine besondere Systematik geschweige denn ein Fahrgastnutzen erkennbar wäre. Prinzipiell gilt: Je später es wird, desto spärlicher und unübersichtlicher sind die Verbindungen.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Die verflixte 99

Übereckverkehr nennt man es, wenn in einem Liniennetz, das auf Achsen ausgelegt ist, eine Linie abweicht und bestimmte Achsen direkt miteinander verknüpft, anstatt nur zu kreuzen. In Potsdam haben sich in den letzten zehn Jahren vor allem die Nord-Süd-Achse Bornstedt - Kirchsteigfeld und die Ost-West-Achse Babelsberg - Charlottenhof eingebürgert.

Seit Jahrzehnten verlässlich von Potsdam-West nach Babelsberg: Potsdams Linie "4" (heute 94) im Januar 1990. | (c) Bild: flickr/Felix O (CC BY-SA 2.0)

Die Ost-West-Achse ist die älteste noch erhaltene Linienführung der Stadt. Eine „9“ als Zähler auf ihren Straßenbahnen sahen die Potsdamer zuletzt ab 1985. Die Straßenbahn- direktverbindung zwischen Babelsberg und dem Hauptbahnhof verschwand 1992 aus dem Fahrplan und dem Stadtbild. Fast 20 Jahre später gibt es beides wieder als Übereckverkehr. Die 99 verbindet seit 2006 Babelsberg und den Hauptbahnhof bzw. den Brauhausberg, in der „Rush Hour“ wird sogar bis nach Potsdam-Süd, zum Kirchsteigfeld gefahren.

Sonntag, 16. Januar 2011

13 - 33 - 53 | Die ViP, die S-Bahn & der Notfahrplan

2009, 2010, 2011
Eins ist klar: Ab 24. Januar fährt die S-Bahn nach einem neuen Not-Fahrplan, sozusagen "Notfahrplan 6.0". Wie üblich halten es die Verkehrsunternehmen und der Verkehrsverbund VBB nicht für nötig, ihre Fahrgäste frühzeitig an den Details der neuen Fahrpläne Teil haben zu lassen. Erst am 19. Januar, also ganze fünf Tage vorher wird die S-Bahn Berlin GmbH ihren "Notfahrplan 6.0" veröffentlichen. Natürlich hört man seit Tagen von dem immensen Aufwand, den die Fahrplanumstellung mit sich bringt, nur sei da die Frage erlaubt: Ist das nicht das Alltagsgeschäft eines Verkehrsbetriebs?

Und zur Erinnerung: Die Deutsche Bahn AG publiziert ihre Fahrpläne im Regelfall bereits über einen Monat vor Inkrafttreten. In der Berlin-Brandenburger Nahverkehrsprovinz scheint es hingegen völlig normal zu sein, den Kunden neue Fahrpläne quasi erst im Vorbeifahren zu präsentieren. Sicherlich sind die Umstände besonders und besonders widrig. Umso mehr erstaunt es jedoch, dass man in der Kundeninformation sogleich wieder die eigenen Defizite zur Schau stellt.

Der S-Bahn muss man dabei noch zugutehalten, dass sie die Onlineauskunft schon zum Mittwoch, 19. Januar aktualisieren will. Normalerweise wird die Fahrinfo-Datenbank beim DB Konzern nur donnerstags aufgefrischt.

Was die anderen Verkehrsunternehmen im Detail tun werden, insbesondere die Potsdamer Verkehrsbetriebe, davon darf man sich dann ab dem 19. Januar überraschen lassen. Oder vielleicht auch erst am Morgen des 24. Januar.
Einmal mehr stellt sich die Frage, welchen Sinn der sog. "Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg" (VBB) eigentlich hat?
Mit einiger Recherchearbeit war es dem "Potsdamer Fenster" möglich, schon vorab Details zum "Notfahrplan 6.0" zuerhalten. Gesetz dem Fall, die recherchierten Daten stimmen, so ist dieser neue S-Bahn Fahrplan für Potsdamer Fahrgäste eine Hiobsbotschaft.

Entgegen dem derzeit recht stabil angebotenen allgemeinen Not-Fahrplan, mit einem 10-Minuten-Takt, wird die S7 ab 24. Januar tagsüber nur noch alle 20 Minuten verkehren. Dem nicht genug, verschieben sich die Abfahrtszeiten dabei auch noch erheblich.

Greift man den Potsdamer Hauptbahnhof als wichtigsten Umsteigepunkt heraus, so ergibt sich eine Verschiebung der Abfahrtszeiten um sieben Minuten nach hinten, also anstatt zu den Minuten 00, 20 & 40, fahren die Züge zu den Minuten 13, 33 & 53. Das ist, bedenkt man die Anschlüsse von Tram & Bus, eine heftige Verschiebung

Bei der Ankunftszeit der S7 aus Berlin wirkt sich der neue Fahrplan weniger verheerend aus: Anstatt zur Minute 04, 24 & 44, erreichen die Züge nun zu den Minuten 06, 26 & 46 den Potsdamer Hauptbahnhof.

Der neue Not-Fahrplan wird bekanntlich notwendig, da die S-Bahn Berlin GmbH 60 km/h als neue rechnerische Maximalgeschwindigkeit ihrer Züge festgelegt. Damit soll auch bei erheblichem Schneefall und Frost ein verlässlicher Fahrplan erreicht werden. Denn wenn die Besandungsanlagen oder Fahrmotoren der Züge teilweise einfrieren oder ausfallen, können die Züge immerhin noch mit 60km/h fahren. Herrscht jedoch trockenes und frostfreies Wetter, funktionieren die Züge überwiegend zuverlässig und sind in der Lage, ihre aktuelle Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h auszufahren. Kurz gesagt: Aus dem derzeitigen fragilen Schönwetter-Fahrplan soll ab 24. Januar ein solider Schlechtwetter-Fahrplan werden.
Selbstredend mutet die ganze Diskussion, um schönes und schlechtes Wetter und seine Folgen für den S-Bahn-Betrieb, völlig grotesk an. 
Es ist absolut indiskutabel, dass der S-Bahn-Betrieb bei stärkerem Frost oder Schneefall zusammenbricht. Insofern ist auch die gegenwärtige Gesamtsituation, unter der nun dieses neue Fahrplanregime eingeführt wird, unerträglich und eine Zumutung.

Die Wahl zwischen zwei Übeln steht hinter dem neuen Fahrplan: Fährt man weiterhin nach dem (auf 80km/h ausgelegten) aktuellen Notfahrplan aus dem Jahr 2010 und riskiert dabei den Zusammenbruch des Verkehrs, beim nächsten Schneetief? Oder reduziert man das Angebot und fährt den "Rest" dafür auch unter winterlichen Witterungsverhältnissen stabil und verlässlich?

Die S-Bahn hat sich, nach Rücksprache mit den Bestellern, für die zweite Variante entschieden, die für ihren Betrieb zwei zusätzliche Vorteile besitzt: Sie kann den zuletzt angestauten Wartungsrückstand allmählich abarbeiten. Und sie kann ihre Dienstpläne wieder verlässlich disponieren: Damit soll dann auch ausgeschlossen sein, dass Zugführer gezwungenermaßen ihre funktionierenden Züge abstellen müssen, weil sie ihre maximalen Lenkzeiten erreicht haben und keine Ablösung verfügbar ist. Zu solchen Vorfällen kam es im Dezember-Chaos 2010 öfters.

Aus Fahrgastsicht behält diese Lösung, trotz der vernünftigen Argumente, einen sehr fahlen Beigeschmack. Die Ausdünnung der Takte fällt besonders schmerzlich auf: Mitten in der Vorlesungszeit wieder auf einen 20-Minuten-Takt zurückgeworfen zu sein, dürfte an den Potsdamer Unis für neuen Unmut sorgen. Noch schlimmer trifft es Pendler von/nach Hennigsdorf, dort fährt nur noch alle 30 Minuten eine S-Bahn.
Die angebliche Verlässlichkeit dieses neuen Fahrplans muss sich dabei erst beweisen. 
Zweifel sind angebracht, denn der "Notfahrplan 6.0" benötigt eine erhebliche Zahl an Viertel-Zügen. Das lässt für die nächste dicke Schneewolke nichts Gutes erahnen.

Wenig Gutes dürfen Potsdamer Fahrgäste wohl auch von ihrem S-Bahn-Zubringer erwarten: Aus dem Hause der Potsdamer Verkehrsbetriebe (ViP) war zuletzt zu vernehmen, dass zwar "drei Abteilungen mit dem neuen S-Bahn-Fahrplan beschäftigt sind" - so die ViP in der Märkischen Allgemeinen Zeitung; allerdings "bräuchte man vier bis fünf Wochen", um die ViP-Fahrpläne an die S-Bahn anzupassen.
Vier bis fünf Wochen?!
Wenn der neue Notfahrplan eingeführt wird, bedeutet dies 2 Wochen, in denen die beiden zentralen Tram-Linien 91 & 92 Sicht- bzw. Nichtanschlüsse zur S-Bahn produzieren werden. Insbesondere in den Abendstunden bleiben nur noch 2 Minuten Umsteigezeit von Tram zu S-Bahn - selbst für gute Läufer ist das nicht schaffbar. In südlicher Richtung ist die S-Bahn sogar schon 2 Minuten weg, wenn 91 & 92 zu ihrem Sammelanschluss am Hauptbahnhof eintrudeln; Umsteigezeit dann 18 Minuten. Das ist grobe Fahrgastfeindlichkeit. Spekuliert die ViP auf ein schnelles Ende des "Notfahrplans 6.0"? So schnell wieder abschaffen wird die S-Bahn diesen neuen Fahrplan wohl nicht: "Vielleicht Ende Februar, Anfang März" - war aus dem Hause S-Bahn zuletzt zu vernehmen.
Nichts oder Nichtanschluss, das macht keinen Unterschied
Lassen sich diese Nichtanschlüsse tagsüber noch durch das Umsteigen auf die Linien 93 & 96 teilweise kompensieren, wird es dann in den Abendstunden richtig bitter. Einmal mehr rächt sich der abendliche Sammelanschluss von 91 & 92 am Hauptbahnhof. Und das generelle Kaprizieren auf einen 20-Minuten-Takt der Linien.

Ähnliche Zumutungen drohen am Hauptbahnhof übrigens auch auf den Linien 638, 639, 693 und 695. Dem 693er droht ein solches Debakel in Babelsberg. Die Linie 694 dürfte ihren Fahrplan-Gau am Bahnhof Griebnitzsee erleben: Dort gibt es zwischen Bus und Bahn in alle Richtungen nur Sichtanschluss - sofern die ViP nicht reagiert.
Deshalb kann man die ViP nur ausdrücklich davor warnen, am 24. Januar mit einem unveränderten Fahrplan in den Betrieb zu starten.  
Aufhorchen lassen Presseberichte, in denen Kostenargumente gegen die Umstellung der Fahrpläne erhoben wurden. Es ist stadtbekannt, dass die ViP ihr Nahverkehrsangebot vor allem nach betrieblichen Kennziffern ausrichtet und weniger nach dem Fahrgastnutzen. Die Stadt reagierte bereist angesäuert auf den neuen S-Bahn Fahrplan und forderte eine Kompensation von der Deutschen Bahn. Das ist einigermaßen unverständlich, schließlich behält das Land Brandenburg doch mit Einführung des neuen Not-Fahrplans erhebliche Bestellentgelte ein. Wenn die Stadt Potsdam also Geld für den Mehraufwand ihres Verkehrsbetriebs sehen möchte, sollte sie sich zuallererst an das zuständige Landesministerium für Verkehr wenden.

Allerdings ist hier Eile geboten, denn Brandenburgs Finanzminister dürfte diese Gelder vermutlich schnellstens in den Haushalt zurückspeisen wollen. Damit sind sie für die Fahrgäste verloren. Schlimmstenfalls wären Potsdam Fahrgäste dann dreifach die Leidtragenden: Die S-Bahn fährt seltener, die Straßenbahn hat keinen Anschluss mehr und das Geld, das für den Nahverkehr vorgesehen war, ist auch weg.

Die S-Bahn-Krise, sie wird zunehmend zu einer Bewährungsprobe für Brandenburgs Verkehrsbetriebe und -politiker.

Sonntag, 7. November 2010

Städtisches ÖPNV-Panorama (2)


Suchen Sie sich einen Fahrplan aus. Falls sie ihre Linie hier nicht finden, gibt es im Wartehäuschen nebenan noch eine Vitrine mit Fahrplanaushängen.....



Haltestelle Potsdam, Alter Markt

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Potsdam wird gesprengt

Am Donnerstag, 14. Oktober ist es wieder soweit: Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg muss gesprengt werden. Rund um und auf dem Hauptbahnhof geht dann nichts mehr. Nur, wie geht es weiter? Ein Blick aufs Informationsangebot zur Totalsperrung.


[Update, Mi. 22:30 Uhr] Die ViP hat ihren Infos pdf's mit Umgebungsplänen und Fahrempfehlungen für unterschiedliche Richtungen hinzugefügt. Zwar fehlen immer noch Hinweise auf die anderen Verkehrsunternehmen, aber unterm Strich kann sich das Informationsangebot durchaus sehen lassen. Respekt! Die S-Bahn weiß nun, welcher Zug wann wo hin fährt. Und sie warnt vor weiteren Änderungen in den Fahrplänen von DB, ViP und Havelbus - die entsprechenden Internetseiten dazu verlinkt sie auch gleich noch. Das ist annähernd vorbildlich!

Im Gegensatz dazu hat es die Deutsche Bahn bisher nicht geschafft, die Details zu ihrem Schienenersatzverkehr zu veröffentlichen, angekündigt waren die Informationen dazu aber schon für Mittwoch, 12 Uhr. Infos zum Angebot ihrer Unternehmenstocher S-Bahn Berlin GmbH kennt die DB natürlich auch nicht.

Dem VBB ist neben einem lapidaren Informationstext und Links zu den Verkehrsunternehmen nichts weiter eingefallen. Schwach! Völliges Schweigen herrscht unterdessen im Informationsangebot der BVG. Für die Startseite der BVG-Homepage ist momentan alles "wie Weihnachten, nur früher". Naja.

[Update, Mi. 13:45 Uhr] Die S-Bahn weiß nun, was sie tun wird. Die S7 endet und beginnt in Babelsberg. Aber, und hier wird es problematisch, sie fährt nur alle 20 Minuten! Es ist davon auszugehen, das die S-Bahn keine Vollzüge auf die S7 schicken wird. Dementsprechend dürfte es eng werden in der S7, spätestens in Griebnitzsee, wo die Ersazubusse der DB-Regio enden und beginnen. Kein 10 Minuten-Takt bis Babelsberg - das ist eine schlechte Lösung!
 
[Update, Mi. 13 Uhr] Es geht doch! Mittlerweile sind alle Beteiligten aufgewacht: Die Deutsche Bahn informiert detailliert. Alle R-Linien mit Umleitungen oder neuen Endbahnhöfen in P-Griebnitzsee, P-Park Sanssouci, Werder/Havel und einem Ersatzverkehr zwischen den Stationen. Die S-Bahn hat immer noch keinen Plan, weiß aber wenigstens schonmal das etwas passieren wird. 

Der VBB beschränkt sich auf die Verlinkung der einzelnen Internetseiten der Verkehrsunternehmen. Ein ziemlich dürftiges Bild.

Die ViP hat ihre Informationen unverändert online - ohne auch nur einen einzigen Hinweis darauf, was die anderen Verkehrsunternehmen tun werden. Die Havelbus hält es mit ihren Informationen kurz und schmerzlos, Fahrplandetails gibt es keine.

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Bekannt ist die Sperrung seit Dienstag-Vormittag. Informationen zur Sperrung liefert die ViP seit dem frühen Dienstag-Abend als Laufschrift in ihren Haltestellenanzeigen. Auf der ViP-Homepage finden sich ebenfalls schon Informationen über die Betriebsführung vor &  während der Sperrung, inkl. Grafik. Insofern ist die ViP durchaus vorbildlich.

Mit einer Ausnahme: Ein großes Fragezeichen steht bisher (Mittwoch, 02:30 Uhr) über dem Verkehr von und nach Berlin. Mit über 20.000 Umsteigern täglich, ist Potsdam Hauptbahnhof der größte Umsteigepunkt des Regionalverkehrs der Region - nach Berlin Hauptbahnhof. Wo und wie die Regionalzüge fahren oder nicht, weiß offenbar niemand. Die ViP schweigt sich dazu aus, wie zu allem was nicht von ihrem Betriebshof aus bedient wird. Soviel zum Thema Vernetzung. Auf der Homepage der Deutschen Bahn findet allerdings sich ebenfalls kein Hinweis (Stand: Mittwoch, 02:30 Uhr). Und leider glänzt auch der sonst so gut informierte VBB mit einem Totalausfall an Information auf seiner Homepage (Stand: Mittwoch, 02:30 Uhr).

Gleiches gilt für die S-Bahn (Stand: Mittwoch, 02:30 Uhr). Auch die S-Bahn Berlin GmbH fährt bisher nach dem zur Regel gewordenen Notfahrplan. Das es am Donnerstag zur Totalsperrung des Potsdamer Hauptbahnhofs kommt, erfährt man als Fahrgast zur Zeit nicht. Das die S7 offensichtlich in Griebnitzsee enden wird, kann man, mit etwas Glück, in der Zeitung lesen. Ob und wie es Ersatzverkehr gibt, konnten oder wollten die Journalisten aber scheinbar nicht recherchieren.

Etwas klüger ist die Stadt Potsdam selbst. Auf ihrer Homepage lässt sich nachlesen, dass die S-Bahn bereits ab 8 Uhr morgens in Griebnitzsee enden wird. "Von dort gelangt man mit dem Bus nach Potsdam." - so glaubt es jedenfalls die Stadtverwaltung, die scheinbar mit dem Auto aus dem nördlichen Potsdamer Umland anreist. Ansonsten würde sie nie auf die Idee kommen, derart naive Äußerungen zu machen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Karte des Sperrkreises, welche die Stadtverwaltung online verfügbar gemacht hat. Darauf sieht man den Hauptbahnhof im Zentrum der Sperrung. Der Bahnhof Babelsberg liegt außerhalb des Sperrkreises und sogar außerhalb des Kartenausschnitts. Warum die S-Bahn trotzdem schon in Griebnitzsee enden muss, weiß natürlich auch die Karte nicht. Der Fahrgast eben sowenig.



Wie gehts weiter?


Man kann nur hoffen, dass die Verkehrsunternehmen im Lauf des Mittwoch-Vormittag schnellstens ihre Datenbanken aktualisieren. Umfassend und vor allem einstimmig sollten die Informationen sein. Alles andere ist völlig inakzeptabel. Niemandem ist in besonderen Situationen wie dieser, mit einem Alleingang eines Verkehrsunternehmens geholfen. Leider mussten Fahrgäste genau das schon zu häufig miterleben. Hier ist der Verkehrsverbund gefragt, seine koordinierende Position auch durchzusetzen. Ebenfalls könnte es der Stadtverwaltung Potsdam nicht schaden, auf ihrer Homepage detailliert und schnell ersichtlich über die Änderungen im Nahverkehr zu informieren. Es leben und Arbeiten nicht nur Autofahrer in Potsdam. Auch wenn sich die Stadtverwaltung stets sehr viel Mühe gibt, dies zu ignorieren.

Ein etwas waghalsiger Tipp für Fahrgäste von und nach Berlin: Probieren sie den Bus 316 zwischen S-Bahnhof Wannsee und Potsdam, Glienicker Brücke. Sofern sie zur richtigen Taktminute an einem der beiden Startpunkte der Linie ankommen, sind ihre Chanzen groß, halbwegs bequem in die Innenstadt von Potsdam/Berlin zu geklangen. Wenn sie Pech haben, stehen sie aber genau in dem Moment an der Haltestelle, wenn der 316er nicht verkehrt. Werktags bietet die BVG hier nämlich nur einen 40-Minuten-Takt an. Und erfahrungsgemäß ändert die BVG ihren Fahrplan nicht für Fliegerbombe in Potsdam.

Eine andere Alternative bietet evtl. die Fahrt über die Regionalbahnhöfe Medienstadt Babelsberg und Rehbrücke, denn die Regionalzug-Linien MR33 und RE7 dürften wohl planmäßig fahren. Die ViP wird beide Bahnhöfe scheinbar so Fahrplantreu wie möglich bedienen. Wer den großen Umweg nicht scheut, dürfte sicherlich auch mit den Buslinien 638 & 639 und dem Umsteigen am S-Bahnhof Berlin-Spandau sein Ziel erreichen.

Bei der letzten Totalsperrung des Potsdamer Hauptbahnhofs, gelang es der Deutschen Bahn irgendwann, einen Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Potsdam, Platz der Einheit und S-Bahnhof Berlin-Wannsee einzurichten. Vielleicht erinnert man sich in der Geschäftsführung der DB-Regio noch an diese Maßnahme. Zu wünschen wäre es! An die Bombe werden die MitarbeiterInnen der DB-Regio Verwaltung aber in jedem Fall erinnert, ihr Arbeitsplatz liegt nämlich im Sperrkreis.

Montag, 20. September 2010

VORSICHT Fahrplan! (1)

Auch wenn die halbe Innenstadt umgegraben wurde, ein alter Hauptbahnhof ging und ein neuer kam, ein neuer ViP-Betriebshof ans Netz ging oder Combinos den Dienst versagten, der Anschluss zwischen Potsdamer Tram und Berliner Bus an der Glienicker Brücke klappte trotzdem!

GLIENICKER BRÜCKE, das ist der wohl traditionsreichste Anschlusspunkt in Potsdam! Seit fast 20 Jahren kann man sicher sein, dass es von der Potsdamer Straßenbahn einen schnellen Anschluss zum Berliner Bus gibt und umgekehrt. Im Schnitt erhält man binnen 4-5 Minuten Anschluss in beide Richtungen.

Als die BVG ihre Metrolinien im Winter 2004 einführte und der Werktags-Fahrplan der (neuen) Ausflugslinie 316 (ex-116) dem größtenteils zum Opfer fiel, wurde diese "Goldene Regel" ein erstes Mal erschüttert. Der 316er verkehrt werktags nur noch alle 40 Minuten, weshalb aus dem 5-Minuten-Anschluss nach Berlin ganz schnell auch mal ein 25-Minuten-Anschluss werden kann. Glücklich ist, wer sich vorher bei Fahrinfo eine Verbindung mit Anschluss herausgesucht hat.

Die Fahrpläne der ViP weisen auf den möglichen Anschlussverlust/-gewinn übrigens mit keiner Silbe hin!



Am Wochenende entspricht die Fahrplanrealität noch einigermaßen den "Traditionen" und der 316er verkehrt im 20-Minuten-Takt, weshalb der Anschluss in beide Richtungen funktioniert - fast!

Wehe dem, der abends, in der letzten Betriebsstunde der Linie 93 von diesem Anschluss Gebrauch machen möchte. Seit dem letzten Fahrplanwechsel der ViP gerät die "93" ab 20:05 Uhr seltsam aus dem Takt und die Abfahrtsminuten in Glienicker Brücke springen von 25 & 45 auf 16, 36, 56. Der 316er bleibt derweil bei seinem Fahrplan, Ankunft von Wannsee um 21 & 41, Abfahrt nach Wannsee um 25 & 45. Aus dem idealen, bahnsteiggleichen Anschluss wird eine Takt-Lücke von 15 Minuten.

Sicherlich betrifft das nur Verbindungen in "Tagesrandlage" und abseits der großen Fahrgastströme. Aber hier geht es auch um die Verlässlichkeit und leichte Merkbarkeit des ÖPNV-Angebots - gerade in der Peripherie. Das es ausgerechnet die Linie 93 trifft, ist dabei besonders bitter, schließlich lässt die Auslastung der Tramstrecke zur Glienicker Brücke zu wünschen übrig. Eine Potsdamer Verwaltung unter Sparzwang könnte schnell die Entscheidung fällen, bei der BVG den 316er ganztägig bis zur Holzmarktstr. oder dem Platz der Einheit zu bestellen. Das wäre das Ende für die Straßenbahn zur Glienicker Brücke, gerade in Anbetracht der anstehenden Sanierung dieses Streckenabschnitts.

Wenn es Nacht wird, steuert die 93 seltsame Ziele an. 

Die ViP muss deshalb ein Interesse daran haben, die 93 zu stärken. Das OSZ Gastgewerbe, die Schiffbauergasse, das neue Mauermuseum, der Neue Garten und der Glienicker Park sind attraktive Ziele. Es liegt an den Potsdamer Verkehrsbetrieben, diese Ziele nicht an den Individualverkehr oder gar an die BVG zu verlieren. Aber mit springenden Takten und löchrigen Anschlüssen ist sie gerade auf dem besten Weg dorthin.